Hier stand das Kloster Walsdorf bis zum Bau der Volksschule im Jahr 1822-1824

774 wurde die „Walhestorpher Mark“ erstmals als Schenkung ans Kloster Lorsch erwähnt.

1156 gründete Gottfried von Beselich ein Mönchskloster, ab 1250 wurde es ein Nonnenkloster, eines der ersten in Nassau und neben Eibingen und Dirstein auch das einzige zu dieser Zeit. Standort des Klosters mit seinen Wirtschaftsgebäuden war etwa vom heutigen Klosterplatz bis vor zur ehemaligen Schule, die 1824 dort errichtet wurde.

Ab 1350 stellte sich das Kloster unter den Schutz des Grafen Adolf von Nassau.

1355 erfolgte der Teilungsvertrag der Linien Nassau-Idstein u. Nassau-Weilburg; die  Zugehörigkeit des Klosters Walsdorf war strittig. Walsdorf lag an der Nahtstelle der Diözesen Mainz und Trier, befand sich sowohl im Einflussbereich der Grafen von Nassau als auch der Grafen von Diez.

Die Nonnen bzw. Klosterjungfrauen waren fast alle von adliger Herkunft, teilweise aus regierenden Häusern und das Kloster wohlhabend – somit war Ort und Kloster interessant für beide Grafschaften. Doch das Kloster wurde aufgrund der guten Kontakte zwischen den Grafen in Idstein und der Klosterleitung der Idsteiner Linie zugesprochen, welche Walsdorf 1358  zur Stadt erhob = Wallstatt.

Die Grafschaft Idstein wurde um 1562 lutherisch, das Kloster ab ca. 1600.

Das Klostergebäude hatte ein Maß von ca. 25 x 12m, war 3-stöckig, mit einer Linde davor, wo Brot und Wein für Bettler zu finden waren; es war mit einem Friedhof umgeben. Das Kloster hatte Wirtschaftsgebäude (Brauhaus,  Back- und Waschhaus, Klosterkeller, Vieh- und Schafstall).

Im Kloster gab es ein Dormitorium bzw. 20 Zellen für bis zu 25 Nonnen, die Kammer des Paters, eine Kirche, eine Schulstube, die Stube der Äbtissin und einen großen Konventsaal.

Die meisten Klosterbewohner blieben Klosterjungfrauen, einige wurden Nonnen, manche wurden „ehrlich“ verheiratet, andere blieben bis zu ihrem Tod da. Neben dem Katechismus sollten sie auch in Lesen, Schreiben, Rechnen, Hand-, Haus- und Gartenarbeiten unterrichtet werden sowie  Zucht, Demut, Redlichkeit und äußerliche Tugenden lernen.

Die Nonnen sollten, sobald sie mündig wurden, selbst auf ihr Erbe verzichten.  Viele von ihnen mussten während ihres Aufenthalts im Kloster mehrmals Bittbriefe an Eltern und Brüder schreiben, damit das Kostgeld bezahlt wurde – trotzdem blieb dies oftmals aus.

1471 –   Friedrich von Gottes Gnaden Röm. Kaiser, König von Ungarn, Dalmatien und Kroatien, Herzog zu Österreich,  Steier, Kärnten und Krain,[..] übermittelt an das Kloster ein Schreiben,  in welchem er das Konvent und die Äbtissin Jakoba unter seinen direkten Schutz stellt.

Ende 1627 Ausbruch der Pest, die Nonnen verlassen das Kloster, Rückkehr Anfang/Mitte 1628. 1634 erlischt das Kloster nach Plünderung durch spanische Truppen. Überreste des Klosters sind nicht mehr vorhanden (ausgenommen einige Steinwände von Wirtschaftsgebäuden). 

Äbtissinnen im Walsdorfer Nonnenkonvent (soweit bekannt):

Die Jahreszahlen verstehen sich als verbriefte Aufenthaltsangabe im Kloster Walsdorf    –

Odilia 1256                    

Adelheid 1301                    

Berta 1337                    

Elisabeth von Reifenberg 1350                    

Emeline 1359-1360                        

Byngel Buchersche von Idstein 1426                    

Jacoba von Daelsteyn/Dailstein 1467-1481                        

Liebmut von Hausen 1490-1493                        

Glada von Saarbrücken 1500-1555                        

Margarete geb. Gräfin von Nassau-Wiesb.-Idstein 1555-1596

Kunigunde Holzapfel 1598                    

Maria von Klingelbach 1602-1610                        

Dorothea Katharina geb. von Nordeck zur Rabenau 1611-1627

Anna Erika von Liebenstein 1628-1634                        

Nonnen/Konventsjungfrauen/Konventualinnen/Schwestern:

die Jahreszahlen verstehen sich als verbriefte Aufenthaltsangabe im Kloster Walsdorf

1471 Margarete von Solms-Braunfels, bei Eintritt ins Kloster 6 Jahre alt

1471  Anna/Anne von Solms-Braunfels, bei Eintritt ins Kloster 5 Jahre alt

1480-1514 Gräfin Maria von Solms-Lich

1482 Katharina von Solms-Lich-Braunfels, Tochter des Grafen Otto von Solms-Lich-Braunfels

1506 Elisabeth Gräfin von Nassau-Saarbrücken, bei Eintritt ins Kloster 11 Jahre alt      

1518-1568 Elisabeth Gräfin von Nassau-Saarbrücken, bei Eintritt ins Kloster war sie erst 3 Jahre alt, sie wurde begleitet von ihrer Schwester.

1518- ca.1552 Margareta Gräfin von Nassau-Saarbrücken, bei Eintritt ins Kloster 5 Jahre alt; Ihr Vater übergibt die beiden Mädchen „dem allmächtigen Gott zu Lobe und zu einem lebendigen Opfer“

1553-1596 Margarete geb. Gräfin von Nassau-Wiesbaden-Idstein                                 

1611-1629 Anna Ottilia von Flörsheim (*ca. 1600), Tochter d. Junkers Philipp Jakob v. Flörsheim

Sie verließ das Kloster 1629 und heiratete (Sie war nicht „Die letzte Nonne von Walsdorf“ in der Erzählung von Ottokar Schupp)

1612-1617 Ursula von Seelbach genannt Quadfasel: ihr Vater war verstorben, seine Witwe hatte viele Töchter in Stifte untergebracht, jedoch wurden die 200 Gulden Aufnahme- gebühr als Nonne (1614) nie bezahlt. Ursula wurde 1617 auf dem Klosterhof wegen Kindsmord mit dem Schwert hingerichtet.                     

1630-1635 Anna Elisabeth von Liebenstein, Tochter des Hans Wolf von Liebenstein, Amtmann zu Wiesbaden


©Text  Bürgerverein Walsdorf e. V. – Mai 2019